Zum Hauptinhalt springen

„Ich bin hart im Nehmen, aber wenn man das gesehen hat… Das ist einfach unfassbar“, versucht Bernd Gramatzki, LKW-Fahrer bei C + P, seine Eindrücke aus dem Hochwassergebiet in Schweinheim im Ahrtal in Worte zu fassen. Gemeinsam mit Björn Messerschmidt nahm der 64-Jährige vergangenen Monat am hr3-Hilfskonvoi für Flutopfer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz teil und brachte Hilfsgüter von Marburg in die betroffenen Gebiete.

„Entstanden ist die Aktion in der Facebook-Gruppe ,LKW-Fahrer stehen zusammen‘. Dessen Gründer Ralf Kalabis-Schick hatte die Idee, eine Gruppe zu gründen, wo LKW-Fahrer unseren Slogan wirklich leben“, berichtet Björn Messerschmidt. „Unter dem Motto ‚halt mal mein Bier fest, ich habe eine Idee‘ wurden daraufhin die ersten Schritte in Sachen Hochwassergebiete-Hilfstransport eingeleitet“, erläutert der C + P-Trucker weiter. „Wir anderen Gruppenmitglieder fanden diese Idee super. Es gab überhaupt keinen Grund, großartig darüber nachzudenken.“

Sofortige Unterstützung

Umgehend erkundigte sich Messerschmidt, ob C + P bereit wäre, einen LKW zu stellen, um Güter und Hilfsmittel in die Krisengebiete zu transportieren. „Unser Logistik-Geschäftsführer, Herr Volk, zögerte keine Sekunde und gestattete uns sogar, mit zwei LKWs teilzunehmen“, freut sich der Trucker über die Unterstützung. Messerschmidt griff sofort zum Handy und erkundigte sich in der internen Whatsapp-Gruppe der C + P-Fahrer, wer Interesse hätte, am Hilfstransport teilzunehmen. Bernd Gramatzki, der eigentlich Rentner ist, aber immer mal wieder in die Bresche springt, wenn Not am Mann ist, überlegte erst gar nicht und stimmte mit den Worten „ich bin dabei“ zu.

„Um die Reichweite unseres Vorhabens zu erweitern, nahm ich Kontakt mit Tobias Kämmerer, der Moderator der Morning Show auf hr3 ist, auf. Auch er war sofort begeistert von der Aktion“, berichtet Messerschmidt.

Beeindruckende Hilfsbereitschaft

Am 23. Juli war es dann so weit: Björn Messerschmidt machte sich mit seinem C + P-Gespann auf den Weg zum Marburger Messeplatz, während Bernd Gramatzki mit seiner Zugmaschine einen kurzen Zwischenstopp bei der Jakob Schmidt KG Spedition in Biedenkopf einlegte, um dort einen Auflieger, „der für schwerere Lasten geschaffen ist“, abzuholen. Anschließend fuhr auch Gramatzki zum Messeplatz. „Unzählige Menschenmassen füllten den Messeplatz mit Spenden in allen Variationen“, beobachtete Björn Messerschmidt. „Die Hilfsbereitschaft war einfach beeindruckend.“

Zeitgleich wurde die vorkommissionierte Ware in die LKWs geladen. „Gegen 24 Uhr waren dann alle knapp 50 LKWs beladen und standen abfahrbereit bei der Spedition Kress in Goßfelden auf dem Hof“, so die Trucker.

Ungeahnte Schwierigkeiten

Am nächsten Morgen, 24. Juli, startete der Konvoi in Richtung Ahrtal. „Unsere fest zugesagten Abladestellen, welche von den Behörden genehmigt worden waren, konnten wir, zum Erschrecken aller, nicht anfahren“, erklärt Björn Messerschmidt. „Trotz dieser Schwierigkeiten haben wir es aber geschafft, die Hilfsgüter in der Nähe der Krisengebiete zu entladen, da wir mit den LKWs selbst ja nicht in die Regionen hineinfahren konnten. Hierbei wurden wir von vielen Speditionen und Firmen aus Bonn, Limburg und sogar dem Ruhrgebiet unterstützt.“

In den darauffolgenden Wochen fuhren die beiden auch weitere Transporte in die betroffenen Gebiete und brachten den Flutopfern unter anderem Waschmaschinen, Kühlschränke und Lebensmitteln. Für einen von der Flut stark betroffenen Bauern mit 180 Pferden und 160 Milchkühen transportierten die Zwei auf ihren Touren insgesamt fast 150 Heuballen, die von vier Landwirten aus Eckelshausen gespendet wurden und die Versorgung der Tiere am betroffenen Hof gewährleisten sollen.

Hilfe geht weiter

Wer aber denkt, die Unterstützung sei nun beendet, der irrt gewaltig. Schon für Samstag, 18. September, ist die nächste Fahrt geplant. „Ich freue mich drauf, anderen Menschen wieder helfen zu können“, berichtet Björn Messerschmidt. Auch für diese Tour stellt C + P zwei LKWs bereit. Bernd Gramatzki, der am vergangenen Wochenende schon wieder in Schweinheim war: „Ein riesiges Dankeschön geht an unseren Disponenten Matthias Drewlies, unseren Fuhrparkleiter Wolfgang Krötz und an unseren Logistik-Geschäftsführer Matthias Volk. Sie haben kein einziges Mal gesagt, ‚nein, ihr dürft keinen LKW nehmen‘, sondern vielmehr sofort ihre Hilfsbereitschaft erklärt. Auf ihre Unterstützung lass ich nichts kommen!“

Wer ebenfalls helfen möchte, kann dies noch bis Ende des Monats mit einer Geldspende tun. Neben der Initiierung des Hilfskonvois hat Ralf Kalabis-Schick in Kooperation mit hr3 ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem bereits mehr als 22.500 Euro zusammengekommen sind: https://paypal.me/pools/c/8BdRpfHkwm